Unter dem Titel „Queer – hier bei uns“ luden wir am 12. Mai 2026 ins Mehrgenerationenhaus Bad Dürkheim ein, um gemeinsam über queeres Leben im ländlichen Raum ins Gespräch zu kommen. Mit Blick auf den Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit am 17. Mai wollten wir ein Zeichen setzen: für Vielfalt, Respekt und gleiche Rechte. Überall, auch bei uns vor Ort. Aus dem selben Grund hatten wir zuvor den Antrag gestellt, dass am 17. Mai die Pride-Flagge am Rathaus gehisst wird.
Der Abend hat unsere Erwartungen weit übertroffen!
Fast 50 Menschen kamen ins Mehrgenerationenhaus; der Raum war voll besetzt. Gemeinsam hörten wir den eindrücklichen Vortrag von Joachim Schulte von QueerNet Rheinland-Pfalz e.V., der schilderte, welchen langen und oft schmerzhaften Weg die queere Community gehen musste und wie weit der Weg bis zu echter gesellschaftlicher Gleichberechtigung noch immer ist. Besonders wichtig war dabei seine Botschaft, dass der Einsatz gegen Diskriminierung und Anfeindungen nicht allein Aufgabe queerer Menschen sein darf, sondern eine Verantwortung der gesamten Gesellschaft ist.
Besonders bewegend wurde der Abend in der anschließenden Diskussion. Viele Menschen aus Bad Dürkheim und Umgebung teilten persönliche Erfahrungen und Beobachtungen aus ihrem Alltag. Es ging um Kinder, die sich nicht mehr in die Schule trauen. Um das große Schweigen in Klassenräumen und die Unsicherheit, die daraus entsteht. Um fehlende Räume für Begegnung und Austausch. Und um die Angst oder das mulmige Gefühl, offen queer zu sein, selbst in öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Alltag vor Ort.
Diese Berichte haben betroffen gemacht. Gleichzeitig wurde aber auch spürbar, wie viel Mitgefühl, Solidarität und Veränderungswille in der Runde vorhanden waren. Noch am selben Abend gründete sich eine WhatsApp-Gruppe, damit sich Interessierte weiter vernetzen, austauschen und gegenseitig stärken können.
Der Abend hat deutlich gezeigt: Sichtbarkeit, Austausch und solidarisches Handeln sind wichtiger denn je. Jede und jeder kann dazu beitragen. Haltung zeigen und Flagge bekennen, etwa auf Demonstrationen oder beim CSD. Widersprechen, wenn Menschen beleidigt oder ausgegrenzt werden. Sich informieren und andere ermutigen, hinzusehen statt wegzuschauen. Bereits im Kita- und Grundschulalter über Vielfalt und unterschiedliche Lebensrealitäten sprechen, beispielsweise über Regenbogenfamilien.
Gleichzeitig zeigte sich leider schon im Vorfeld der Veranstaltung, wie aktuell das Thema weiterhin ist. Mehrere Veranstaltungsplakate wurden zerstört oder entfernt. Solche Vorfälle erleben wir bei Veranstaltungen zu anderen Themen sonst nicht.
Gerade deshalb dürfen wir jetzt nicht leiser werden.
Wir danken allen Teilnehmenden für ihre Offenheit, ihre Beiträge und ihre Solidarität. Ganz besonders danken wir Joachim Schulte und QueerNet Rheinland-Pfalz e.V. für ihre wichtige Arbeit und den bewegenden Abend.
